Schlüssel zum Erfolg

Forschungsnetzwerke schaffen Umgebungen, in denen sich Vertrautheit und Diversität miteinander vereinen. Das Beispiel der israelischen Maschinenbau-Ingenieurin Anath Fischer.

Autor: Ralf Grötker, Journalistenbüro Schnittstelle

Anath Fischer ist Professorin an der Fakultät für Mechanical Engineering des Technion in Haifa. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des rechnergestützten Konstruierens (Computer-Aided Design, CAD) und Modellierens für das Design von Werkzeugen und Maschinen sowie in der Entwicklung von Verfahren des 3D-Druckens. Anath Fischer gehört zur dritten Generation von Wissenschaftlern, die im Rahmen deutsch-israelischer Förderprogramme kooperieren. Bereits 1987 nahm sie als Doktorandin an einem deutsch-israelischen Forschungsprojekt teil, das von der Volkswagenstiftung gefördert wurde. Seit 1988 ist sie in die Aktivitäten des Minerva Laboratory for Automated Assembly am Technion involviert – erst als Doktorandin, dann als Fakultätsangehörige.

Das untenstehende Diagramm zeichnet die vielfältigen Beziehungen nach, die sich zwischen Anath Fischer und den Wissenschaftlern der beiden Länder in verschiedener Hinsicht gebildet haben. Das Resultat: ein dichtes Netzwerk, das sich über mehrere Generationen und Forschungsschwerpunkte hin erstreckt, ermöglicht durch sich gegenseitig ergänzende Förderprogramme. Deutlich wird: die Beziehungen, die durch die Teilnahme an gemeinsamen Förderprogrammen ermöglicht werden, setzen sich in kontinuierlichen Kooperationen auf verschiedenen Ebenen fort. Kooperationen werden über Generation von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen hinweg weitergegeben.

Diagramm zu Forschungsbeziehungen von Anath Fischer

Das Diagramm zeigt Beziehungen, die sich durch gemeinsame Teilnahme an Förderprogrammen konstituieren (gestrichelte Linien) sowie Beziehungen, die auf der akademischen Generationenfolge (Doktorvater/-mutter; Amtsvorgänger) basieren (durchgezogene Linien). Israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind blau markiert; die deutschen Partner gelb. Das Netzwerkdiagramm wurde erstellt auf Basis von Informationen von Prof. Anath Fischer (persönliche Korrespondenz). | Diagramm: R. Grötker

Wissenschaftliche Kooperation über Grenzen, wie in diesem Diagramm dargestellt, ist kein Selbstzweck: Neben der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen im Bereich Laborausstattung oder personengebundener Expertise ist Kooperation auch der Schlüssel zu Kreativität und Innovation.

Wie sich Netzwerkbeziehungen in einem Bereich auswirken, in dem Erfolge und Misserfolge stark von Kreativität und Innovation abhängen, hat vor kurzem der Kölner Sozialwissenschaftler Mark Lutter untersucht. In einer groß angelegten Studie analysierte er Daten der Internet Movie Database IMDb, um Faktoren für den Erfolg von Hollywood-Regisseuren herauszufinden. Das Resultat: Erfolg braucht sowohl Vertrautheit wie Verschiedenheit. Lutter: „Vertrautheit ist nötig, damit es zum Austausch von Informationen und Ideen kommt. Aber wenn die Vertrautheit zu groß ist, dann fließen zwar die Informationen hervorragend, aber alle Informationen kommen irgendwann nur noch aus immer der gleichen Quelle. Deshalb braucht es neben Vertrautheit auch Diversität.“

Diesem Bild entsprechen auch die Netzwerkbeziehungen zwischen Wissenschaftlern in Deutschland und Israel. Die Beziehungen, die sich über viele Jahre und über Generationen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aufbauen, konstituieren ein hohes Maß an Vertrautheit. Nützlich ist das aber nur dann, wenn die Informationen, deren Fluss durch Vertrautheit erleichtert wird, sich nicht lediglich wiederholen. Hier liegt der Wert von Kooperation über Grenzen von Ländern und Kulturen hinweg: Die Chance, dass durch den permanenten Austausch Ideen transportiert werden, die für die eine oder die andere Seite neu sind, ist groß.